

25.09.1979 (Friedrich)
Inzwischen ist schon Ende Oktober, da wir Schwierigkeiten mit dem Abziehen hatten. Der Unterricht an unserer Kolila-Schule befriedigt mich sehr, vor allem, weil fast alle Schüler sehr aufnahmebereit und lernwillig sind. Dazu kommt für mich als Pädagogen, dass der Grundsatz des alten Comenius, stets anschaulich zu sein, hier förmlich auf der Hand bzw. vor der Tür liegt; Schule muss dem Leben dienen, sonst wird Tansania es nie schaffen, nicht mehr zu den 25 ärmsten Ländern zu gehören. Nächster Nachbar unserer Schule ist eine im Aufbau befindliche Schreinerei, die dem Dorf gehört, in dem auch unsere Schule ist. So gehe ich stets von diesem Beispiel aus und habe (von Sprachproblemen abgesehen) keine Schwierigkeiten, meine Schüler zum Mitdenken zu veranlassen. Ich frage mich heute schon, wo und wie ich das in einer deutschen Schule auch schaffen könnte. Seit zwei Monaten habe ich für die Mädchen unserer Schule einen Schreibmaschinenkurs angefangen, nachdem meine alten Böblinger Schüler, vor Weihnachten 78, 2.300 DM für uns gesammelt hatten (für 10 Maschinen) die Mädchen verbessern damit entscheidend ihre späteren Anstellungschancen.
04.12.1979 (Gisela)
Das Beste von hier ist, dass Friedrich seit letztem Freitag Ferien hat. Seit dem neuen Schulhalbjahr ab Juli und dem neuen Schulleiter war manches in der Schule gestrafft und gebessert worden. Es wird mehr Gemüse angebaut. Die Schüler haben abwechselnd die Kühe zu hüten. Das Gelände, das in deutschen Zeiten ein Fischteich gewesen sein soll, die Einfassung ist noch zu erkennen, wird wieder zu einem solchen hergerichtet. Ein Afro-Amerikaner, der mit dem amerikanischen Peacecorps hier ist und vom Schulleiter aufgetrieben und zur Hilfe für Kolila gebeten wurde, gibt technische Beratung für den Fischteich. Die Schüler mussten noch eine Woche nach Beendigung des Unterrichts hier bleiben und praktische Arbeit tun, während die Lehrer die Zeugnisse machten. (Das Schuljahr beginnt in Kolila im Januar). Jetzt sind die Schüler fort und hinterließen alles sehr sauber. Als wir vor genau 2 Jahren kamen und ich die Speisereste im Essraum rumliegen sah während der annähernd 2 Monate Ferien, fand ich das sehr lustig. Aber nach den Erfahrungen der Choleraepidemie (die vorbei ist) finde ich so was nicht mehr so lustig. Bei der Zeugnismacherei alle Halbjahr stöhnt Friedrich immer sehr. Für jedes Fach und dann wieder für alle Fächer zusammen wird der Rang des Schülers ausgerechnet. So hat dann einer in Erdkunde Platz 57 (von 111 Schülern aus zwei Klassen) und ist insgesamt auf Rang 82 von 111. Ich glaub, sehr früher hat man das bei uns auch so gemacht. Hier ist das sicher nicht Prinzip, sondern einfach alter Zopf. Dagegen sehr menschlich fanden wir Diskussion und Entscheidung neulich im Lehrerrat. Der Staat untersagt neuestens Privatgymnasien, mehr als 40 Schüler in einer Klasse zu unterrichten. Diese Verordnung ist sinnvoll, damit nicht private Schulträger Geld machen mit vielen Schulgeldern auf Kosten der Qualität des Unterrichts in zu großen Klassen. Jetzt im Kolila-Lehrerrat waren sich alle einig, man sollte nicht einfach die schlechtesten Schüler rausschmeißen, um auf die Zahl von 40 je Klasse zu kommen. Denn auch ein sehr schwacher Schüler, wenn er 4 Jahre in unserem Gymnasium rumsäße (Klasse 1-4) würde etwas an Gewinn davontragen. Bei der Abschlussfeier für die Schulabgänger, Klasse 4 = 11. Schuljahr, spielten einige Schüler eine Szene vor, selbst gemacht, die wir inhaltlich und darstellerisch sehr attraktiv fanden. Inhalt: Ein Schulabgänger kommt nach Hause. Die Mutter fordert ihn auf, einige Arbeiten auf dem Feld zu machen. Das wird mit Empörung zurückgewiesen: Der Sprössling ist doch jetzt ein Mensch der Bücher, der kann doch nicht die schlichte Arbeit auf dem Feld machen. Die Mutter versucht vergebens, den Wert des Lebens und Arbeitens auf dem Dorf anzupreisen. Dann trifft der Schulabgänger mit seinen ehemaligen Kameraden zusammen. Sie beschließen, noch mal ins Elternhaus dieses Schulabgängers zu gehen, um sich die Argumente für den Wert des Dorflebens anzuhören. Bei dem neuerlichen Gespräch werden sie überzeugt. Jetzt werden sie alle aufs Dorf gehen: Einer von ihnen wird der Bürgermeister, ein anderer der Buchhalter, ein Dritter der Organisator usw. Au ja, lasst uns aufs Dorf gehen, wir werden die Dorfoberen werden!" Darstellerisch: Die Darsteller bewegten sich während der Dialoge die ganze Zeit im Tanzschritt der hiesigen traditionellen Tänze, wodurch das Ganze sehr lebhaft und alles Gesprochene sehr rhythmisch wurde.
Friedrich macht jetzt schon mal Vorerholung die 10 Tage, bis auch die Kinder Ferien kriegen. Eben spielten wir am frühen Morgen schon mal ein bisschen Federball und am letzten Sonntag vor- und nachmittags Tischtennis in der Schule. Zum 1. Advent hatte Eberhard Pfefferkuchen gebacken, ich Pflaumenkuchen, für die jetzt gerade die Erntezeit ist. Für die Weihnachtsbäckerei haben wir dies Jahr schön zusammengespart. Unsere Gasflasche für den Backherd hüten wir geizig, zum Kochen habe ich einen Zweiplattenherd gekauft für elektrisch, denn Gas gibt es sehr selten. Backfett habe ich, Zucker gibt es z. Zt. immer, Weizenmehl in einem Laden in der Stadt, sehr grobes, braunes, aber das macht ja bei Pfefferkuchen nichts. Am Vormittag saßen wir um den selbst gemachten Adventskranz und flöteten und sangen, und abends, als es dunkel war, noch mal.
Du (Mutti) fragst nach Friedrichs indischem Kollegen, Herrn Modha. Ich schreibe nicht so gern, Friedrich könnte wohl freundlichere Geschichten erzählen. Ich mag einfach den Tenor aller seiner Reden nicht. Der Tenor ist meist: Du und ich, wir aus einer wertvolleren Rasse, stellen mal wieder fest, dass es bei den Afrikanern bei nichts so richtig klappt". Frau Modha ist immer mal wieder bei ihren indischen Freunden in der Stadt für ein paar Tage, bei den Patels, wenn es besondere Feste im indischen Tempel gibt. Oder, ehe Herr Patel zu einem Treffen des Rotary Clubs nach Europa fliegt, macht sie ein paar Tage einen Abschiedsbesuch. Ehe es das Sonntagsnachmittagsfahrverbot gab (hier seit 1974), sei die ganze Familie Patel meist den ganzen Sonntag hier oben bei Modhas gewesen, das vermissen sie jetzt natürlich sehr.
Mit Eberhards Einsegnung geschieht gar nichts. Konfirmandenunterricht in Old Moshi in der Chaggasprache kommt nicht in Frage (die Kinder unseres Schulleiters vom 1. Jahr lernten extra zu diesem Zweck Chagga, zu Hause sprechen sie nur Swahili), Konfirmandenunterricht in der internationalen Schule fanden wir auch nicht gut: Noch weitere Nachmittage in der Stadt bleiben. Von uns Vieren sind zumindest Eberhard und ich ziemlich afrikanisch geworden, was dringend zu erledigende Termine angeht. Mir hat ja auch das Buch von Hardy Krüger Mein Momella" so gut gefallen. Er schreibt: Seit ich beginne, Afrika zu verstehen, wird mir bewusst, wie sehr ich zum Sklaven des Begriffes Zeit geworden bin. In Afrika gleicht die Zeit der Landschaft. Beide strecken sich vor mir aus, so weit mein Auge reicht" und Zeit: Wer in Afrika lebt, hat viel davon. Und wer warten kann, muss gewinnen." Also warten wir mit dem Konfirmandenunterricht. Neulich hatte ich ein nettes Erlebnis dazu. Ich hatte das Auto unten im Dorf Kiborloni zur Reparatur. Ein Nachbar von hier oben hat da eine kleine Reparaturwerkstatt. Die Reparatur sollte in einer halben Stunde fertig sein. Also das zog sich dann von früh morgens über den ganzen Vormittag hin. Auch, weil er dankenswerterweise feststellte, dass das Motorenöl auslief. Ich versuchte, während der Vormittagsstunden, neben dem Auto, mitten im Dorf im Schatten einer Hütte hockend, was Geistiges zu arbeiten. Der Erfolg war natürlich recht bescheiden und ich nicht gerade sehr befriedigt. Gegen Mittag fuhr ich mit örtlichem Transport in die Stadt, um neues Öl für den Motor zu kaufen. Als ich nach Überwindung verschiedener Schwierigkeiten mit dem Öl zurückkam, durstig, hungrig, mit Kopf- und anderen Schmerzen, und den Reparateur fragte, wie weit er denn sei, weil ich Interesse hatte, demnächst mal nach Hause zu kommen, sagte er: Immer mit der Ruhe". Dann setzten wir uns hin, er, ich, der örtliche Parteichef kam noch dazu, ein paar Kalebassen mit örtlich gebrautem Bier machten die Runde, der Reparateur stellte mir ein paar Leute vor. Und dann, nach einer weiteren Stunde, kam er wieder aufs Auto zu sprechen. Was ich mit Immer mit der Ruhe" übersetzt habe, ist in Swahili ein Wort, das auch beim Genesen von Krankheiten gebraucht wird, wörtlich: Er ist abgekühlt" = er ist wieder gesund. Nicht kühl" sein, nicht bedächtig, sondern hitzig, unruhig, gilt in Afrika als nicht wünschenswert. Also hier muss gar nicht immer was geschehen oder fertig werden oder vorwärts kommen. Neulich schrieb mir der Prior des Klosters, in dem ich im August war, auf meine Frage, warum seiner Meinung die Afrikaner es materiell bisher nicht so weit gebracht hätten wie die Europäer: Ein Grund ist, dass die Afrikaner sehr schnell mit ihrem Zustand zufrieden sind." Und außerdem schieb er: Vielleicht ist es die tropische Hitze, die uns die Energie nimmt." Dazu: Gestern kam ich zu einer Deutschen in Moshi, die auf einem Bänkchen hinter ihrem Haus saß und kaum reagierte, als ich kam. Sie ist jünger als ich. Sagte, sie täte z. Zt. den ganzen Tag gar nichts. Das Klima ist seit Wochen widerlich, heiß und feucht, wie ich mich gar nicht erinnern kann, dass es bisher mal so war. Beinahe alle leiden darunter.
Ich bin ja immer noch aktiv. Mit meinem Brief an die MdB sieht es gar nicht so schlecht aus. MdB Petersen gab mir Zwischenbescheid, er habe den Brief sofort an das Ministerium weitergeleitet mit der Bitte, ihm mitzuteilen, ob und welche Sonderaktionen für Tansania durchgeführt werden. Sobald die Antwort vorliegt, können wir im Ausschuss (für Entwicklungshilfe, in dem Petersen drin ist) Anträge stellen." Ein Referent von Brot-für-die-Welt , den ich seit langem kenne, antwortete mir, er werde wegen des Bittschreibens von mir mit dem Brot-Afrikareferenten und gelegentlich auch mit dem Direktor von Brot reden, ob man den Entwicklungsminister auf das Problem direkt ansprechen kann".
Unser Plan, zwischen 12.12. und Weihnachten auf der Uhuru-Eisenbahn zu reisen, gehört bis jetzt noch zum Thema Kommt Zeit, kommt Rat". Wir baten Frau Haug in Dar, uns Fahrkarten zu besorgen, aber noch ist nichts.
Das Flüchtlings-Ansiedlungsgebiet Ulyankulu, westlich von Tabora, kenne ich nicht. Ich könnte mir denken, dass dort Flüchtlinge aus den westlichen Nachbarländern Ruanda oder Burundi angesiedelt wurden. In beiden wird ein Teil der Bevölkerung unterdrückt, aus rassischen" Gründen. In Ruanda herrschen die Bantu-Afrikaner, in Burundi die Nicht-Bantu. Tansania hat sehr viele Flüchtlinge aufgenommen.
05.01.1980 (Eberhard)
Inzwischen ist natürlich sicher, dass ich so lange wie die übrige Familie hier bleiben werde, also noch 1 oder 2 Jahre.
Hast du schon gehört, dass ich Ende Oktober auf dem Kilimanjaro bis zum Gillman's Point (5685 m) gekommen bin, der die zweithöchste Erhebung (Spitze) des Kibos und Afrikas ist? Ich war mit einer Gruppe oben, die damals in der Nähe von Moshi in einer Sprachschule Kiswahili lernte. Im nächsten Schul-term" (der am 9.1. anfängt) habe ich mich schon für mehrere Bergbesteigungen eingetragen. Es macht mir immer sehr viel Spaß. Auf einem anderen Bergausflug im Oktober habe ich auch mit Vatis Kamera sehr schöne Bilder gemacht, die aber noch nicht entwickelt sind.
27.02.1980 (Eberhard)
Wir fahren vom 29.2. bis 3.3. auf einen Klassenausflug an den indischen Ozean nach Pangani. - Schicke mir bitte so bald wie möglich 2 kurze Hosen, Farbe hellblau oder hellbraun oder hellgrün, nicht aus 100% Baumwolle, sondern aus Polyester oder einem Baumwoll-Mischgewebe. Also bitte keine Turnhosen, sondern Hosen, die ich in die Schule oder zu Hause anziehen kann.
23.04.1980 (Gisela)
Inzwischen haben wir unsere 3 Tage Osterferienreise gemacht, die sehr schön war. Freitag, 11.4., nach Friedrichs Schulschluss am späten Nachmittag, fuhren wir los. In Moshi stellten wir fest, dass wir die Öltankverschlusskappe verloren hatten, und das Öl war im ganzen Motorenraum verspritzt. Zum Glück wussten wir, dass ein gegen 60 Jahre alter deutscher Mechaniker, der seit 20 Jahren im Land ist, gerade in Moshi war. Er stopfte uns einen Lappen oben auf die Öffnung, sagte, es sei keine Gefahr und nun sehe unser Auto endlich ein bisschen afrikanisch aus. Inzwischen war es dunkel geworden, und wir blieben die Nacht im Moshi-Hotel (Livingstone-Hotel aus Kolonialzeiten). Wir aßen und gingen dann alle ins Kino, ein besonderes Ereignis für uns Dörfler. Der Film Solo for an elephant", russische Produktion, war großartig, Bilder von Moskau, Phantasie, halb Märchenhaftes. Er kam in Deutschland auch schon im Fernsehen.
Am nächsten Morgen fuhren wir in ein Hotel gut halbwegs nach Arusha (Mt. Meru Game Sanctuary and Hotel Tanzanite), ungarische Besitzer, bezaubernde Zimmer mit Stilmöbeln, bezaubernde Gartenanlagen. Wir schwammen im Schwimmbad und spielten Tennis. Sonja litt sehr an verschiedenen Eiterwunden an den Beinen und musste immer getragen werden. (Inzwischen isst sie Penizillin, weil diese Eiterstellen von innen raus kommen). Ein netter Afrikaner gab ihr ein Stück altes Moskitonetz, weil die Fliegen und anderes Geschmeiß sich immer auf die Eiterstellen setzten. Ich konnte leider noch kaum Tennis spielen wegen meines Milzbrand geschwollenen vereiterten Daumens. Abends saßen wir draußen am Holzfeuer und genossen die bezaubernde Anlage.
Am Sonntag nach Arusha. Wir guckten uns die Zimmer des letztes Jahr fertig gestellten Hotel 77", das für Touristen und internationale Tagungen gebaut wurde, an. Anscheinend mal wieder bis zum letzten Nagel alles aus Europa importiert, die metallenen Lampen, die Vorhänge. Das könnte man sehr gut hier im Land kaufen. Ein schwedischer Mitarbeiter im Hotel erzählte uns wir waren im Gespräch mit dem Buchhalter des Hotels das Hotel habe einen Buchungsautomaten von dem internationalen Konzern National Cash Register", NCR, gekauft, für diesen zusammen mit 2 Registrierkassen müssen sie jährlich über 40.000 Schilling für Wartung bezahlen. Eine magnetisierte Kontokarte kostet 7 Sh (4,20 Sh = 1 DM). Weil sie die Bedienungsanleitung für den Automaten immer noch nicht haben, haben sie ihn noch nicht bezahlt. Das nützt aber nichts, denn diese Firma hat das Monopol in Tansania und kann einfach alle anderen Lieferungen an tansanische Besteller einstellen.
Friedrich fuhr Sonntagnachmittag mit dem Bus nach Hause, weil er Montag früh Schule hatte. Wir 3 Übrigen besuchten Deutsche, die am Technical College in Arusha unterrichten. Sie haben einen Knaben in Eberhards Alter. Am Montag legten wir Sonja bei dieser Familie Küfner ab, und Eberhard und ich stürzten uns in die Einkauferei. Manchmal gibt es in Arusha Dinge, die es in Moshi (gerade) nicht gibt. Ich kaufte Käse und Rhabarber. Eberhard fand einen Laden, der unsere Ölkappe hatte, und einen anderen, der Motoröl verkaufte. Das größte Ereignis war, dass wir die vier neuen Autoreifen abholten, die ein anderer Deutscher für uns besorgt hatte. Seit Oktober hatte ich mich vergeblich bemüht. Wir haben einen ziemlichen Verschleiß an Reifen, von Deutschland hatten wir 9 mitgebracht (4 davon ganz neu), 5 hatte ich inzwischen nachgekauft, und jetzt hatten wir nur noch 2 Ersatzreifen. Macht: 8 Reifen total hin nach 30.000 km. Reifenprobleme gibt es z. Zt., weil Tansanias Reifenfabrik, General Tyre, kaum noch Devisenzuteilungen bekam. Busse der staatlichen Überlandgesellschaft liegen schon massenhaft still.
Zurück in Old Moshi, zeigte uns jener deutsche Mechaniker, Herr Hopp, 2 Abende lang seine Filme von hier, z. T. Filme von vor 20 Jahren. Da war manches sehr interessant, z.B., dass damals die Afrikanerinnen mit so ausgeschnittenen Sommerkleidern gingen wie wir. Die Art, mit geschlossenen Kleidern mit Ärmeln zu gehen und dazu in der Öffentlichkeit das fußlange Tuch um die Hüften, ist erst durch die Kleidervorschriften des Staates vor einigen Jahren gekommen. Wohl moslemischer Einfluss, 28% der Tansanier sind Moslems. Der Kili hatte damals wesentlich mehr Schnee. Das Klima hat sich inzwischen geändert.
Am letzten Wochenende besuchte uns ein ehemaliger hiesiger Kollege von Friedrich, der uns und den wir sehr lieben. Er ist jung, vielseitig begabt, am liebsten schreibt er aber und dichtet. Er studiert seit einem Jahr Wirtschaftswissenschaften in Dar es salaam und schloss das erste Jahr als Bester seines Faches ab. Wir redeten und redeten, später am Abend bei Kerzenlicht wegen Stromausfall.
Von unseren Wehwehchen in der letzten Zeit habe ich schon angefangen. Friedrich ist bis auf, dass ihm die Arbeit zu viel wird, gesund. Eberhard hatte gestern Fieber. Ich habe seit 2 Tagen so was wie einen grippalen Infekt, roter Hals, Bauchschmerzen, frieren mit schwitzen gleichzeitig. Der Mzee ging heute zum Ohrenarzt, sein Ohr klopft, er hört schlecht. Das alles liegt wohl an heftigem Regen mit großer Feuchtigkeit seit 3 Tagen. In unserem Weg sind schon beinahe kriminelle Rinnen und Löcher. Aber Gott sei Dank für den Regen für die Felder.
Für eins unserer regelmäßigen theologischen Gespräche mit den deutschen Großmanns übermorgen Abend arbeite ich 1. Korinther 15 durch, habe einen Kommentar von Conzelmann, glänzend und sauber gearbeitet, 60 Seiten, meist Kleindruck, für dieses Kapitel.
25.05.1980 (Eberhard)
(Pfingsten) Es würde mich sehr freuen, wen du mir noch eine kurze Hose schicken würdest. Die Größe war richtig. Als Farbe vielleicht dieses Blau oder dieses Braun oder Ähnliches (am liebsten jedoch blau).
Gestern war ein deutscher Pfingstgottesdienst mit anschließendem Plätzchenessen in Moshi (Samstagnachmittag). Die nächsten Bergausflüge sind am 6. Juni (zu den südlichen Gletschern des Kibo), am 13. Juni (auf den Mount Meru bei Arusha) und am 4. Juli (zum Uhuru Peak) geplant. Jeweils 3-5 Tage; der Ausflug am 4. Juli schon in den Sommerferien zusammen mit einigen ehemaligen Schülern von Vati aus Böblingen.
Pfingstmontag ist hier Schule, an Himmelfahrt auch!
