Briefe aus Afrika II

04.09.1977 (Eberhard aus Nairobi)

Herzliche Grüße aus Nairobi. Der Flug war sehr lange, es gab 9 Mahlzeiten. Gerade kommen wir aus der Kirche zurück. Hier gibt es auch sehr viel zu essen. An meinem Geburtstag waren wir in der Stadt und haben uns Hüte gekauft und Bauten angeschaut.

04.09.1977 (Gisela aus Nairobi)

Heute letzter Ferientag. Im Sprachkurs meist anglikanische Missionare. Eberhard meint: Alle hier seien sehr nett, nur leider sprächen sie Englisch. Wir suchen noch Schulplätze für die Kinder, man wartet hier jahrelang auf einen solchen. Eben sitze ich in der Sonne, meist ist es bedeckt und kühl, 17°.

25.09.1977 (Eberhard aus Nairobi)

Herzliche Grüße von hier, wo es uns sehr gefällt. In der Schule, vor allem (ich komme gut voran) in Mathe ist es sehr interessant. Als Schul-Kleidung tragen wir ein weißes Hemd, graue Shorts, eine graue Krawatte, einen grauen Pullover, graue Strümpfe und braune Schuhe (ich trage Sandalen). Das Essen ist sehr gut, doch nicht abwechslungsreich. Der Nachtisch (meistens etwas Gebackenes) ist das Beste dabei. Heute waren wir um 11 Uhr in der Kirche, es war wie jeden zweiten Sonntag ein deutscher Gottesdienst und ein schöner Kleiner-Kindergottesdienst. Anschließend waren wir in einem Hotel essen. Es schmeckte sehr gut. Anschließend gingen wir in das sehr interessante Nationalmuseum. Bei uns gibt es um ½ 8 Uhr Frühstück (sonntags 8 Uhr). Dann nimmt mich Mo-Fr eine in der Nähe wohnende Frau mit ihren Kindern in die Schule mit. Lunch gibt es um ¾ 1, Tee um 4 und Dinner um ½ 8 (sonntags um 8). Jetzt schreibe ich vor dem Dinner noch Fußballergebnisse ab.

17.10.1977 (Eberhard aus Nairobi)

Ich liege zurzeit im Bett, denn ich habe mir eine Erkältung geholt. Am 14. haben wir Muttis Geburtstag gefeiert und sind in das HILTON-Hotel gegangen. Sie und Vati lernen z. Zt. sehr viel Suaheli und kommen kaum dazu, Briefe oder Postkarten zu schreiben. Am Donnerstag wollen wir eine 10-stündige Busfahrt nach Mombasa an den Ozean machen und dort bis Montag bleiben. Hoffentlich bin ich dann gesund. Es wäre nett, wenn du mir ein weiteres Jahr „Treff" kaufst und mir mal eine Bundesliga-Tabelle schickst.

24.10.1977 (Gisela aus Nairobi)

Ich habe mich sehr über die vielen Bildchen gefreut. Wir haben nämlich so gut wie kein Foto mitgenommen.

Wir kommen heute von 3 Tagen Ferien in Mombasa zurück. Donnerstag 9 Stunden Busfahrt über knapp 500 km, das hätten wir in Deutschland nicht gemacht, machten wir uns erst unterwegs klar. Halt und von der Hauptstraße ab in jedem möglichen Ort. Baum- und Buschsavanne, dann nur noch graue Büsche, dann ein Stückchen grüne Graslandschaft und beinahe waldartiger Baumbestand. Vor Mombasa dann Kokospalmen, Mangobäume mit dicker, ausladender runder Krone, Papayas, Bananen. Vorher wird in diesem Teil des Landes so gut wie nichts angebaut, einzelne Maisfelder. Herden mit Kühen, Ziegen, einigen Schafen. 150 km am Rand des größten, des Tsavo-Nationalparks, entlang gefahren. Gesehen haben wir 15 Paviane, die sich einer nach dem anderen auf die Kilometersteine am Wegrand gesetzt hatten.

Mombasa ist mit 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt, sie hat 23% Lohnbeschäftigte (Landesdurchschnitt 6%), das merkt man, wir sahen nicht wie in Nairobi Zerlumpte, Bettler, Krüppel. Die Stadt hat ein Gesicht und ist schön (im Unterschied zu Nairobi), war wohl schon vor 2.ooo Jahren eine Siedlung. Wir sahen unterschiedliche Stadtteile, bei der Reinfahrt neue Häuserblocks und einfache Häuser. Am Samstag beim Stadtrundschleich erst bessere Wohnviertel, v. a. von Indern bewohnt, dann die Altstadt mit Völkergemisch, kleine Inderläden; holzgeschnitzte Erker – wie wir sie letztes Jahr gehäuft in Jeddah (Dschidda) / Saudi-Arabien sahen, dann den Platz mit ehemaligen englischen Verwaltungsgebäuden (erinnerte mich an Stratford), dann das neue Einkaufs-, Hotel- und Bankenviertel. Mombasa ist eine Beinahe-Insel mit Landbrücke Richtung Nairobi, umgeben von großen Buchten. Wir wohnten (über eine Fähre) auf dem Festland südlich. Im Hotelchen mit Swimmingpool 4-Bett-Zimmer zu ebener Erde. Am ersten Abend leichte Hysterie, aufgrund Erschöpfung, wegen der verschiedenen lebenden Mitbewohner. Zuerst, im Dunkeln, krachte es unter meinem Latsch, ich fasste zu und schauderte – bei Licht besehen hatte ich eine Art sehr großen Regenwurm mit Panzerschalenverkleidung halb zerstört. Deren krabbelten noch mehr rum. Sonst kleine Käfer, an den Wänden Geckos (reizende Tiere. Im portugiesischen Fort sahen wir einen mit orange Kopf), vor den Moskitos schützten uns Moskitonetze. (Hier in Nairobi trage ich immer so 20 Stiche rum). Eberhard sprach wieder vom nächsten Flugzeug nach Germany, dann räumten wir wenigstens alle Socken hoch (nur gab es keinen Stuhl im Zimmer). F. erinnerte sich des Ratschlags vom Vorbereitungskurs, man solle morgens vor dem Anziehen erst seine Schuhe durchsuchen.

Am Freitag strandwärts zum Shelly Beach Hotel, das leider ausgebucht war (nur Weiße: praktische Rassentrennung, wegen des Preises). Die 3 konnten die Hitze nicht ertragen - ich gut. Und in Nairobi ist es wieder so kalt. Ich ging 1 ½ Std. bis zum Hotel. Strandtag, und Sonntag wieder. In Mombasa sprechen alle Afrikaner gutes Kisuaheli, wir übten uns. Es macht uns sehr Spaß, und wir sind natürlich auch stolz, wenn die Leute sagen: „Oh, you learn our language!" Abends mal einen Vorstadtbummel mit F, gerösteten Maiskolben, Mangos gekauft, und F für 15 Cents eine kleine Tasse Kaffee am Straßenrand getrunken, natürlich wurden wir gleich gebeten, uns mit auf die Bank zu setzen, 2 überschütteten uns mit Kisuaheli, aber die anderen sagten zu ihnen: Redet moja, moja („eins, eins"). Die 2 waren aus Tansania. Wie wohl über die Grenze gekommen? Privat durch die nicht abgeriegelte Steppe?

Sonntagabend 18.30 bis heute 8.30 Uhr mit dem Zug zurück. Vierbett-Abteil, schön breite Plastikbänke, doppelstöckig, Dreifachfenster: 1. Scheibe, 2. Fliegengitter, 3. Laden. Waschbecken im Zimmer. Verriegelbare Tür. Im Nachbarabteil eine indische, im übernächsten eine afrikanische Familie. Großer „Bahnhof". Nur uns winkte niemand. In den Vorstädten Scharen von Kindern, die dem Zug zuwinkten. Meer, Hafen, Stadt bei einbrechender Dunkelheit. Dann die Savanne im Beinahe-Vollmond. Schlaf war nicht viel, weil der Zug auf Schmalspurbahn, wohl sehr alte Holzwagen, so schüttelte. Gegen Morgen draußen Gazellen (?) einzeln und in kleinen Gruppen gesehen.

Morgen gehen wir wieder in die Schule.

25.10.77 (Friedrich)

Vielen Dank, dass du uns immer mal wieder Post zukommen lässt. Wir freuen uns sehr, wenn was im pigeon-hole liegt. Ja, die Fahrt und der Aufenthalt in Mombasa wäre für Biologen eine Fundgrube gewesen. Aber auch die Historiker kamen nicht zu kurz. Gisela schrieb nichts von Fort Jesus, einer kolossalen Festung zum Schutz der Stadt, an einer der beiden Buchten gebaut, und zwar von den Portugiesen nach ihrer ersten Afrikaumseglung (1498). Es gibt schauerliche Geschichten von Belagern und Aushungern, als die Araber die Portugiesen vertreiben wollten und umgekehrt. Im 19. Jahrhundert bestand hier ein arabisches Großreich, von Ägypten bis Moçambique reichend, unter der Herrschaft des Sultans von Sansibar, mit viel Sklavenhandel. Mombasa ist eine ganz orientalische Stadt, Moscheen, indische Tempel und Kirchen nebeneinander.

Heute begann der 2. Teil unseres Kurses, mit viel Lektüre, jedes Mal etwa 20 bis 30 neue Wörter pro Text (3 Texte nebeneinander), es wird viel zu tun geben. Wenn wir unsere Arbeitsgenehmigung für Tansania bekommen, fliegen wir am 3. oder 4. mit kleinem Flugzeug direkt nach Moshi (¾ Stunden Flug).

02.11.1977 (Eberhard aus Nairobi)

Bitte schicke verschiedene Briefmarken, da ich ein Album bekommen habe. Nach der 14-stündigen Zugfahrt und dem Mini-Frühstück (weil das Geld ausgegangen war) ist hier nicht viel passiert. Am nächsten Tag habe ich das Auto zur Schule verpasst, wo ich vorgestern und gestern den 1. und 2. Englisch-Grammatik-Test zurückbekommen habe. Ich war der Beste mit jeweils 100%. Da die Grenze heute endgültig zu ist, wissen wir nicht, wie wir nun am 4.12. nach Tansania kommen sollen.

27.11.1977 (Eberhard aus Nairobi)

Zum letzten Mal herzliche Grüße aus Nairobi! Das Rezept (Postkarte: Beef and spinach in coconut cream) wird hoffentlich gut sein, probier's mal aus! Vor einer Woche kam ein „Treff" an. Kannst du mir bitte den Schülerkalender (mit Seepost) nach Moshi schicken? Am 5.12. fliegen wir nach Moshi.

27.11.1977 (Gisela)

Nächste Woche Sprachschulabschlussprüfung, wir lasen Markusevangelium und Reden von Kenyatta. Jetzt hatten wir uns eingelebt und fangen wieder neu an. Haben kaum noch einen Pfennig Geld, aus Deutschland kam nichts.

02.12.1977 (Eberhard aus Nairobi)

Am 24.11. war in meiner Schule ein „Konzert". Jede Klasse hat etwas vorgeführt. Unsere Klasse hat, zusammen mit allen anderen Sechsern, 6 Lieder von Samson gesungen. Die Siebener haben sich alle verkleidet und sich dann dem Publikum gezeigt. Es gab: Romeo und Julia, einen Rennfahrer, eine Karategruppe, zwei Herren aus England und vieles anderes. Meine Mathematiklehrerin hatte mich und Mutti mit ihrem Auto hingenommen und auch wieder zurückgebracht.

Vor einigen Wochen war ich zwei Tage bei einem Freund, dessen Mutter Deutsche ist. Wir haben Fußball und Monopoly gespielt.

Gestern war ich nicht in der Schule, denn wir haben alle eine Spritze bekommen. In Tansania ist nämlich die Cholera ausgebrochen.

(Gisela) Bitte erzähle dies bitte nicht in der Verwandtschaft. Und sorge dich nicht. Wir melden uns, falls wir dran sterben.

(Eberhard) Mir tat heute noch der linke Arm weh, doch jetzt, um ½ 4, geht es wieder.

Gestern Abend haben wir ein Abschiedsfest gefeiert. Ich hatte viele Papierfahnen gemacht und sie an eine Schnur gehängt. Es sah sehr schön aus. Wir haben draußen auf dem Hof Würstchen und Koteletts über einem großen Grill gegrillt. Dann wurden im Zimmer Geschichten erzählt und schöne Lieder gesungen.

Heute war mein letzter Schultag, und wir haben Zeugnisse bekommen. In Mathematik und Englisch war ich gut, sonst etwas schlechter. Sonja bekam ihr Zeugnis erst in der Mitte des Terms, dann am Mittwoch noch einmal vorzeitig. Es ist eigentlich nur ein Blatt mit einigen Bemerkungen, aber sie bekommen auch Noten für z.B. Sauberkeit der Arbeit, Hilfsbereitschaft, Sauberkeit der Bänke usw. Ihre Schule hat nächste Woche noch auf, erst eine Woche später sind dann Ferien.

(Gisela) Wir haben auch heute Zeugnisse gekriegt und beide den A-level bestanden (den nur 9 von ca. 45 von den Sw-Kursteilnehmern probierten), der uns befähigt, Suaheli in Standard 1 bis 3 (?) zu unterrichten. Jetzt sind wir so müde, wir alten Leute.

03.12.1977 (Friedrich aus Nairobi)

Gestern ist der dreimonatige Suahelikurs an der Sprachschule der kenianischen Kirche zu Ende gegangen. Gisela packt gerade die Koffer für unsere Weiterreise nach Tansania, übermorgen früh werden wir mit einem kleinen Flugzeug ganz für uns allein (+ Pilot!) zum Kilimanjaro Airport in Moshi fliegen; dort in Moshi werde ich dann ab Februar an einer Wirtschaftsschule des YMCA unterrichten. Die vielen Koffer erinnern mich wieder lebhaft an die großen Reisevorbereitungen im August. Unglaublich viel war zu bedenken und zu erledigen, ehe es so weit war, und manchmal reichten die Kräfte von uns beiden gestandenen Erwachsenen kaum dazu aus. Aber nun fühlen wir uns sehr wohl und frei. Nach über 12 Jahren Gemeinde- und Schularbeit, im Wesentlichen in Böblingen, ist es erfrischend, etwas Neues zu beginnen, dazu noch in einem anderen Erdteil. Die große afrikanische Hitze haben wir hier in Nairobi kaum erlebt: Die Stadt liegt 1600 m hoch und war klimatisch sehr angenehm. Im Oktober genossen wir eine Art von Frühling mit Temperaturen bis etwa 30 Grad, mit einer verschwenderischen Fülle von Blüten und Blumen in allen Farben; besonders eindrucksvoll die unzähligen lila Blüten des Jacaranda-Baumes, der hier in jedem Garten (alte englische Landhäuser) und im Uhuru-Park zu finden ist.

(Fortsetzung siehe Friedrichs Buch „Briefe aus Afrika", Seite 14)

Eberhard hat in seiner freien Zeit viel gebastelt, z. B. ein sehr schönes Labyrinthspiel zu Muttis Geburtstag und unzählige Fahnen aus Papier, die hier die Dining-Hall beim Abschlussfest verschönerten.

(Weiter im Buch, Seite 14, über Eberhards und Sonjas Sich-einleben)

An das Essen und das Gemeinschaftsleben hier im Guesthouse konnte sie sich allerdings weniger gut gewöhnen; da gab es und gibt es noch manche Tränen, denn unsere Tochter ist eine sehr eigenwillige Person! Wenn sie ausgeruht und in Stimmung ist, entwickelt sie übrigens gewisse Talente im Malen. Da entstehen dann großflächige Bilder mit Blumen, Flamingos und Hütten unter dem Kilimanjaro, die jedenfalls die Malfähigkeiten der übrigen Familienmitglieder übersteigen.

(Weiter im Buch, Seite 14, über die Beziehung zwischen Ostafrika und dem arabischen Raum, und Seite 10, über die Mombasa-Reise)

Die Araber waren nicht die einzigen dort: Indische Händler beherrschen noch heute das Geschäftsleben, und abends schellt die Glocke in irgendeinem bizarren Hindutempel, und Frauen und Mädchen in märchenhaften farbigen Gewändern – siehe unsere Drogenfarben! – beeilen sich hineinzukommen. An Kirchen fehlt es natürlich auch nicht, und das Ganze ist wie eine farbige Illustration von Lessings „Nathan"!

Gegen all dies wirkt Nairobi wie eine moderne Großstadt, freilich – den südamerikanischen Metropolen vergleichbar – mit sagenhaftem Reichtum auf der einen und zum Himmel schreiender Armut auf der anderen Seite. Im vergangenen Monat wurden die Slumbewohner im schlimmsten Viertel eines Morgens um 2 Uhr von Planierraupen und Polizeiautos aufgescheucht, die ihre Elendshütten einfach zum Flussufer schoben und circa 10.000 Menschen heimatlos machten. Man hatte Angst vor Seuchen und der Kriminalität, wie in den nächsten Tagen in den Zeitungen stand, aber die übrigens erstaunlich freie Presse nahm kein Blatt vor den Mund, die Verantwortlichen wegen dieser unmenschlichen Aktion anzuklagen: Die Leute waren so überrascht worden, dass sie zum Teil nicht einmal ihre dürftigen Habseligkeiten und das wenige Geld vor den Planierraupen retten konnten.

Hier gibt es natürlich Filialen und Vertretungen aller bekannten Weltfirmen, mit IBM angefangen, die sich in einem Hochhaus gleich neben der Regierung etabliert hat. Das große Problem Nairobis ist aber die Arbeitslosigkeit. Wenn die Leute auf dem Land (dort leben 80% der Bevölkerung) den Luxus in Nairobi sehen, wollen sie natürlich auch etwas davon haben; da kommen sie dann von überall her gelaufen und wollen in das goldene Schloss hinein, das in der Mitte ihres Landes gebaut wurde und immer noch größer und schöner gebaut wird. Aber so viele Arbeitsplätze können Regierung und Industrie natürlich nicht schaffen, und außerdem arbeiten v. a. die ausländischen Konzerne viel zu kapitalintensiv, d.h. mit halb- oder vollautomatischen Maschinen statt mit menschlicher Arbeitskraft. So waren wir als Deutsche leicht schockiert, dass die Firma Bosch (niederländische Tochter) auf der alljährlichen Nairobi-Messe eine Verpackungsmaschine anbot, die das manuelle Verpacken von Cashewnüssen völlig überflüssig macht. Um die bittere Ironie voll zu machen, wird der Arbeitsmarkt wenigstens durch ein Heer von uniformierten Nachtwächtern entlastet, die jeden Nachmittag ausziehen, um die Geschäfte und Privathäuser der Besserbemittelten vor den Habenichtsen zu schützen. Auch wir in der Sprachschule haben einen solchen Watchman, der in den recht kühlen Nächten sein Feuerchen am Eingangstor brennt, was wirklich romantisch anzusehen ist.

Ihr könnt nach alledem vielleicht verstehen, warum wir froh sind, nicht hier in Kenia arbeiten zu müssen. Die Regierung in Tansania hat sich mit einigem Erfolg gegen einen hauptstädtischen Wasserkopf gewehrt und die Landbevölkerung in so genannten Ujamaa = Gemeinschaftsdörfern angesiedelt, in denen es Wasser, eine Schule, eine Krankenstation und wetterfeste Häuser gibt. Freilich soll dort viel Bürokratie und viel menschliche Unzulänglichkeit herrschen. Aber im Sinne einer Politik, die sich um das Wohl aller und um mehr Gerechtigkeit müht, können wir unsere Arbeit leichter und bereitwilliger tun.

In der Weihnachtszeit sind wir natürlich in Gedanken viel bei euch zu Hause. Auch uns haben die Aktionen der Terroristen beschäftigt (wir hören abends um 9 Uhr = 7 Uhr bei euch über die Deutsche Welle regelmäßig Nachrichten); wir können eure Unruhe und eure Empörung verstehen, wie es zum Teil in euren Briefen zum Ausdruck kam; aber wir sind – wie neulich eine Konferenz der CDU in Bonn – der Meinung, dass man sehr gründlich nach den Ursachen dieser Erscheinung suchen muss. Nicht nur hier in Nairobi, auch in unserer westlichen Wirtschaft und Gesellschaft scheint uns vieles nicht zu stimmen, vor allem, wenn man es vor dem Horizont der Entwicklungsländer bzw. der Masse der armen Bevölkerung sieht.


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